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Die Suche nach NS-Raubgut in der Universitätsbibliothek Marburg

Das Projekt

Leitfaden für die Suche nach NS-Raubgut

Ausstellung "Verboten und nicht verbrannt"

Texte

Wissenschaftliche Bibliotheken waren im Dritten Reich häufig Nutznießer von Enteignungen und Beschlagnahmungen: Sie dienten als Sammelstellen für verbotene Literatur, profitierten von der staatlich organisierten Ausplünderung der aus rassischen und politischen Gründen verfolgten Personen und erhielten Zuweisungen aus den während des Krieges als Beutegut verschleppten Bibliotheken.

Im Dezember 1998 wurden im Rahmen einer internationalen Konferenz Principles with Respect to Nazi-confiscated Art verabschiedet, in deren Folge Museen, Bibliotheken und andere Sammlungen in öffentlicher Hand in einer gemeinsamen Erklärung von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden aufgefordert wurden, in ihren Beständen nach Kulturgut aus dem Besitz von Verfolgten des Nazi-Regimes zu suchen.

Die Universitätsbibliothek Marburg hat im Herbst 1999 mit der Recherche nach NS-Raubgut begonnen. Die Untersuchungen ergaben, dass die Bibliothek im Dritten Reich mehrfach Lieferungen beschlagnahmter Bücher erhielt und in ihre Bestände einarbeitete. Anhand von Besitzstempeln und Namenseintragungen konnten der deutsch-jüdische Fabrikant Max Wolf (1887-1948) und sein Bruder Arnold Wolf als frühere Besitzer von sechs konfiszierten Büchern ermittelt werden, die das Landratsamt Schlüchtern der Bibliothek im Jahr 1935 zusandte. Bei der Eröffnung der Ausstellung Verboten und nicht verbrannt am 20. November 2001 wurden die Bücher an den Sohn Max Wolfs zurückgegeben.

Die Rückgabe der sechs Bücher war ein Zeichen für die Bereitschaft, sich der Vergangenheit zu stellen und unrechtmäßig erworbenes Kulturgut zurückzuerstatten. Inzwischen konnten nicht nur weitere Bücher ermittelt und zurückgegeben werden, im Rahmen eines aufwändigen Recherche-Projekts erfasst und untersucht die Universitätsbibliothek Marburg zur Zeit sämtliche Zugänge aus den Jahren 1933 bis 1950, die möglicherweise aus dem unrechtmäßig entzogenen Besitz von Opfern des Nazi-Regimes stammen.

Alle Bücher, bei denen die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass es sich vermutlich um Raubgut handelt, werden in der Lostart-Datenbank der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste Magdeburg veröffentlicht.

Nach dem Abschluss der Erfassungsarbeiten werden auch die übrigen im Rahmen des Projekts ermittelten Daten in einer Online-Datenbank zugänglich gemacht. Bis dahin wenden Sie sich mit Anfragen nach Büchern oder ihren Vorbesitzern bitte an: Dr. Bernd Reifenberg